NRW-Netzwerk zu Gast an der GSW
Wie Schule sich verändern kann, wenn ein Kollegium gemeinsam an einem Strang zieht, wurde jetzt an der Gesamtschule Wulfen eindrucksvoll sichtbar. Beim regionalen Treffen des QuLGet NRW-Netzwerks (Qualität und Lernen im Ganztag) hospitierten Lehrkräfte aus sechs Schulen der Region in den sogenannten Lernzeiten und erhielten zugleich tiefe Einblicke in die Entwicklungsarbeit hinter dem Konzept.
Schon beim Ankommen wurde deutlich: Das Wulfener Modell wird von allen Beteiligten getragen. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wurde das Konzept von Schülern, Eltern und Lehrkräften jeweils mit Zustimmungswerten von nahezu 80 Prozent bestätigt. Für Schulleiter Hermann Twittenhoff ist das ein starkes Signal: „Diese breite Zustimmung zeigt: Wir wollen das und wir machen das. Und da, wo es noch hakt, suchen wir gemeinsam Lösungen und Wege.“
In Kleingruppen führten Lehrkräfte die Gäste durch das Gebäude, erklärten Abläufe, präsentierten Materialien und schilderten die Entwicklung der Lernzeiten, die selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen fördern. Besonders beeindruckt zeigten sich die Besucher von der Vielfalt und Struktur der eingesetzten Instrumente: eigens entwickelte Modulhefte, Reflexionsbögen und Gesprächsleitfäden für die Beratungszeit „LZ BERA“.
Die Didaktische Leiterin Susanne Öngören, die den Entwicklungsprozess maßgeblich begleitet hat, gab Einblicke in die Entstehung: „Wir haben viele Konzepte gesichtet, ausprobiert, verworfen und neu gedacht. Es war ein intensiver Prozess, aber einer, der sich gelohnt hat.“ Schulleiter Twittenhoff ergänzt: „Susanne Öngören sowie ihr Entwicklungsteam haben hier einen Top-Job gemacht. Ohne diese klare Struktur und Ausdauer wären wir heute nicht da, wo wir stehen.“
Dass der Weg nicht immer einfach war, wurde offen thematisiert. Auch Skepsis und kritische Nachfragen gehörten zum Prozess. Doch statt Widerstände zu übergehen, setzte die Schule konsequent auf Austausch, Erprobung und Weiterentwicklung. „Niemand musste perfekt starten. Entscheidend war, dass wir gemeinsam drangeblieben sind“, so Susanne Öngören. Heute sind die Lernzeiten fest bis einschließlich Jahrgang 8 verankert. Für das kommende Schuljahr ist eine Pilotphase im Jahrgang 9 geplant.
Während der Hospitationen erlebten die Gäste konzentrierte Arbeitsphasen, klare Strukturen und Schüler, die ihre Lernprozesse zunehmend selbst steuern, teilweise sogar als „Lernzeiten-Manager“. Besonders die Beratungssequenzen zur Lernreflexion hinterließen Eindruck. „Dass Kinder ihre Ziele so klar formulieren können, ist bemerkenswert“, sagte eine Teilnehmerin.
Beim abschließenden Austausch wurden Ideen, Materialien und Erfahrungen intensiv diskutiert. Viele der beteiligten Schulen nahmen konkrete Impulse für die eigene Arbeit mit. Susanne Öngören zog ein positives Fazit: „Wenn Schulen sich öffnen und voneinander lernen, entsteht echte Qualität und auch Freude an Entwicklung.“
