Schüler setzten sich im Theater kritisch mit deutscher Vergangenheit auseinander
Einen eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Theaterbesuch erlebte der gesamte zehnte Jahrgang der Gesamtschule Wulfen im Gemeinschaftshaus Wulfen. Gezeigt wurde das Stück „ÜBERdasLEBEN oder meine Geburtstage mit dem Führer“, das sich intensiv mit dem Unrechtssystem des Nationalsozialismus auseinandersetzt. „Wir sind Kooperationspartner der Landeskoordination NRW ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘“, erklärt Schulleiter Hermann Twittenhoff. Daraus ergebe sich eine klare Aufgabe für die Schule: „Wir müssen uns kritisch mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und unsere Schüler zu politisch verantwortlichem Denken und Handeln erziehen.“ Das Theaterstück wird durch das Schulkulturprogramm der Stadt Dorsten mitfinanziert. Es basiert auf Zeitzeugenberichten und schildert die NS-Zeit aus der Perspektive des Kindes Anna. Ihre Geburtstagsfeiern werden zum Sinnbild eines zwölf Jahre dauernden Lebens unter Diktatur, geprägt von Gleichschaltung, Unfreiheit und Ungerechtigkeit, aber auch von Mut und Widerstand im Alltag. In unterschiedlichen Formen habe es immer wieder Menschen gegeben, die sich dem System widersetzten. „Ein Thema damals so aktuell wie heute“, betont die Kulturbeauftragte und Initiatorin Katrin Block. Gerade Jugendliche, die Orientierung suchen, würden durch das Stück besonders angesprochen. Die Darsteller präsentierten die historische Thematik mit einer mitreißenden Mischung aus Musik, Tanz und Schauspiel und schlugen so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Besonders die neunjährige Anna überzeugte als starke Hauptfigur. Sie machte den rund 180 Schülern aus Wulfen eindrücklich deutlich, dass man sich aktiv gegen Ungerechtigkeit einsetzen muss, auch in der heutigen Zeit. „Annis Geburtstagsfeiern erzählen von Mitläufertum und Fanatismus, von Wegschauen und Angst, von Gewalt, aber auch vom Widerstand im Alltag“, so Katrin Block. Die klar gezeichneten Charaktere und offen gelegten Parolen machten deutlich, wie gefährlich einfache Wahrheiten und blinder Gehorsam sind. Ziel des Stücks sei es, alles dafür zu tun, dass eine Zeit, in der man das Wort „Freiheit“ nur flüstern durfte, niemals wieder anbricht.
