Gute Lösungen sind für alle von Vorteil

Zertifikate für Streitschlichter der GSW verliehen

„Streit gehört leider zu unserem schulischen Alltag. Oft verläuft Streit im Alltag jedoch ohne Regeln ab, dafür aber umso emotionsgeladener. Es wird beleidigt oder man ignoriert sich gegenseitig. Das Problem wird nicht gelöst: Man rennt auseinander oder spricht nicht mehr zusammen, ohne dass eine akzeptable Lösung für beide Seiten gefunden wird“, sagt Hermann Twittenhoff, Leiter der Gesamtschule Wulfen. Das Lernklima im Unterricht und auf dem Schulhof könne sich verschlechtern und zur Belastung werden. Sogar das Leistungsniveau könne absinken, ergänzt er.

Streitschlichtung findet sich in vielen Schulprogrammen. Es geht darum mit Hilfe kompetenter Streitschlichtung das soziale Klima in der Institution Schule zu verbessern. Lehrer sollen im Umgang mit Konflikten im schulischen Alltag entlastet und die Sozialkompetenz der Schüler im Zusammenleben mit Gleichaltrigen verbessert werden. „Strafarbeiten und Verweise werden bei vorhandenen Streitschlichterprogrammen an Schulen oft seltener erforderlich. Die Schulleitungen müssen sich mit weniger Beschwerdefällen beschäftigen“, so die Sozialpädagogin der Gesamtschule Wulfen, Sutkin Hilmer-Sprung. Es gehe konkret auch darum eine faire Streitkultur zu fördern und einzuüben, nicht wegzuschauen, sondern nach einer Schulung bei Konflikten zu helfen.

Die ausgebildeten Schüler des aktuellen 9. Jahrgangs haben ihre Zertifikate für die Ausbildung zum Streitschlichter erhalten. Ein ganzes Jahr lang haben sie die Fähigkeit dafür erlangt. Nun heißt es, sich für die Konflikte ihrer Mitschüler einzusetzen. Zusätzlich nehmen die Streitschlichter die Rolle eines Paten für die neuen 5. Klassen wahr. Das heißt, dass sie sich nicht nur deren Konflikten annehmen, sondern auch Ansprechpartner für viele weitere Belange sind.

Streitschlichter oder Mediatoren sind speziell angeleitete Schüler, die nach ausgearbeiteten Regeln anbieten, beim Schlichten eines Streits zu helfen. Sie geben dazu nicht selbst eine Lösung für den Streit vor. Vielmehr unterstützen sie es, dass die Streitenden ihrerseits eine Lösung für das Problem finden, mit der beide oder alle Beteiligten in Zukunft leben können. „Zu Streitschlichtern in Schulen werden vor allem Jugendliche ausgebildet. Für eine gelungene Streitschlichtung ist es beispielweise wichtig, beide Parteien aussprechen lassen, nicht zu beleidigen, neutrales Verhalten der Streitschlichter gegenüber den Streitenden sowie die vertrauliche Behandlung des Gesprächs“, erläutert Hermann Twittenhoff. Die streitenden Parteien tragen in Ruhe ihre Sichtweise und ihre Befindlichkeiten vor. Schuldige zu finden oder zu verurteilen ist nicht das Ziel von Streitschlichtung. Lehrer mischen sich nicht ein und es werden keine Sanktionen erteilt. In einem Vertrag oder Protokoll wird der Streitgegenstand, sein Verlauf aufgeschrieben und vor allem niedergeschrieben, welche Lösungen die Streitenden miteinander gefunden haben. Eine Lösung ist oft dann eine gute Lösung, wenn sie für beide von Vorteil ist. Der Vertrag wird unterschrieben und hat Gültigkeit.

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