„Nice to meet Jew!

„Nice to meet Jew!“

Am Montag, den 01.10.2018, kam es an der Gesamtschule Wulfen zu einer aufschlussreichen Begegnung.Im Rahmen des Programms „Brückenschlag 2018 – Gemeinsam in Dorsten als Juden, Christen, Muslime“ fand die Veranstaltung „Rent a Jew“ statt, die in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten organisiert wurde.„Rent a Jew“ ist ein Projekt, bei dem die Begegnung „zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen ermöglicht“ wird. Ehrenamtliche jüdische Referent*innen, die einen „Querschnitt der vielfältigen jüdischen Bevölkerung in Deutschland“ darstellen, berichten über das Leben als Jude, liefern persönliche Einblicke und bieten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das Ziel des Projekts ist es, „durch Dialog das oft abstrakte Bild von Juden aufzubrechen und ihnen ein Gesicht zu geben“. Es arbeitet nach dem Motto: „Sprechen Sie mit uns, nicht über uns!“

Teil nahmen zwei Kurse des elften Jahrgangs, die sich bereits vorher im Unterricht mit den Grundlagen des Judentums beschäftigt und Fragen gesammelt hatten, die sie im Laufe der Veranstaltung stellen wollten.

Die zwei Referenten, beide Mitte 20, fanden schnell einen Draht zu den Schülerinnen und Schülern. Sie starteten, indem sie ein bisschen von sich selbst erzählten und von ihrem Alltag. Bereits hierbei wurde deutlich, dass die jüdische Religion, genau wie die christliche, in unterschiedlichem Maße ausgeübt wird. Fließend ging es über zu allgemeinen Erklärungen des Judentums. Gesprochen wurde über jüdische Traditionen und Feste, aber auch über das aktuelle jüdische Leben in Deutschland. Fotos und mitgebrachte Gegenstände dienten zur Veranschaulichung und weckten einerseits Interesse, andererseits auch Verwunderung. Die gesamte Zeit über wurden Klischees nicht gescheut, sondern wie selbstverständlich angesprochen, um Vorurteile auszuräumen. Dabei begegneten die beiden Referenten diesem Thema durchaus mit Humor, witzelten beispielsweise (in Bezug zum Talmud) „Im Judentum sagt man: Zwei Personen, drei Meinungen!“

Im Anschluss an eine kurze Pause gab es eine offene Fragerunde, bei denen die Schülerinnen und Schüler ihre Fragen stellen konnten. Nach einigem Zögern kam das Gespräch in Fahrt und es wurden auch ernstere Themen angesprochen. Dazu zählt beispielsweise die Meinung des Judentums über Homosexualität und die Rolle der Frau. Besonderes Interesse zeigten die Schülerinnen und Schüler aufgrund der Aktualität vor allem am Thema Antisemitismus, wozu beide Referenten persönliche Erfahrungen teilten. Außerdem wurde sich nach erlebter Benachteiligung in der Gesellschaft erkundigt und inwieweit es Verbindungen zu Schicksalen aus dem Holocaust gäbe.

Die Schülerinnen und Schüler haben auf jeden Fall mitgenommen, dass es wichtig ist, offen über die Vergangenheit und aktuelle Konflikte zu sprechen, um ein Bewusstsein für die eigene Geschichte zu entwickeln. Außerdem wurde folgende Botschaft vermittelt: Egal welcher Religion man angehört, im Kern „sind alle einfach Menschen!“

Lea Droste