| Wirbelstürme hatten Haiti, das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, im vergangenen Jahr nahezu komplett verwüstet. Schnelle Hilfe war gefragt. Die Apothekerin hatte sich bereits in einem Notfallplan der Organisation registriert und einen entsprechenden humanitären Hilfskurs besucht. Englisch, Französisch und Spanisch spricht die 27-Jährige ohnehin perfekt.
„Es war, als wenn ich auf einem anderen Planeten lande", erinnert sie sich. „Von der Vielzahl der Probleme, sei es medizinisch, von der Ernährung oder vom Bildungsstand her, bin ich erschlagen worden", fährt sie fort.
Koordiniert wurde der Einsatz in dem karibischen Inselstaat von „Humedica". Die Dorstenerin war dort auf Anfrage der Apotheker ohne Grenzen im Einsatz. „Wir waren so etwas wie eine mobile Klinik", erklärt sie. Täglich steuerte sie gemeinsam mit drei Ärzten verschiedene Dörfer des Landes an.
Nach der Registrierung auf einer „Health Card" wurden die bis zu 200 Patienten pro Tag zunächst von der Ärzten untersucht, um später die verordneten Medikamente von der Dorstenerin zu erhalten.
„Die Verständigung war schwierig. Viele Einwohner Haitis sprechen nur die Landessprache Creol, wir waren auf Übersetzer angewiesen", berichtet Anna Eschweiler.
Das Leid, das sie jeden Tag aufs Neue hautnah miterlebte, stimmt sie sehr nachdenklich. „Was hier häufig nur Kleinigkeiten sind, kann für die Menschen in solchen Ländern den Tod bedeuten", sagt sie. So hat die 27-jährige noch immer das Bild genau vor Augen, als zwei Männer eine Frau im Alter von Ende 20 auf einer Gartenliege zum Hilfsmobil trugen.
„Die Frau ist acht Monate vor unserem Einsatz von einem Auto angefahren worden, beide Oberschenkelknochen waren gebrochen, das Bein war stark entzündet. Sie saß also acht Monaten auf dieser Gartenliege, ohne sich zu bewegen. Zum Glück konnten wir sie in ein Krankenhaus bringen, in dem sie operiert wurde. Sie wäre sonst wohl gestorben."
Die „Apotheker ohne Grenzen" sind ehrenamtlich unterwegs und opfern für ihre Einsätze in akut hilfsbedürftigen Ländern zum Teil sogar ihren Urlaub, oder knüppeln, wie Anna Eschweiler, im Anschluss reichlich Überstunden. „Für solche Projekte muss man leben", erklärt sie. Geld bekommt sie für ihr Engagement nicht.
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