Drucken

Hilfe, die ankommt!


waz_logo Dorsten, 11.05.2009, von Christoph Winkel

Vier Wochen lang versorgte Anna Eschweiler notleidende Einwohner Haitis, erst kürzlich war die 27-Jährige in Mexiko.

Anna Eschweiler ist zurück. Zurück in Dorsten - zurück in einer anderen Welt. Die 27-Jährige ist Apothekerin und in der ehrenamtlichen Organisation „Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V." aktiv.

 

Am vergangenen Sonntag kehrte die Barkenbergerin von ihrem zweiwöchigen Mexikotrip zurück, im vergangenen Herbst half sie im Rahmen eines Humedica-Projekts gleich vier Wochen lang in Haiti.


„Ich bin schon immer gerne gereist, will noch viel von der Welt sehen. Wenn ich das mit Nützlichem verbinden kann, ist es doch umso schöner", erklärt Anna Eschweiler.


 

Wirbelstürme hatten Haiti, das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, im vergangenen Jahr nahezu komplett verwüstet. Schnelle Hilfe war gefragt. Die Apothekerin hatte sich bereits in einem Notfallplan der Organisation registriert und einen entsprechenden humanitären Hilfskurs besucht. Englisch, Französisch und Spanisch spricht die 27-Jährige ohnehin perfekt.


„Es war, als wenn ich auf einem anderen Planeten lande", erinnert sie sich. „Von der Vielzahl der Probleme, sei es medizinisch, von der Ernährung oder vom Bildungsstand her, bin ich erschlagen worden", fährt sie fort.

Koordiniert wurde der Einsatz in dem karibischen Inselstaat von „Humedica". Die Dorstenerin war dort auf Anfrage der Apotheker ohne Grenzen im Einsatz. „Wir waren so etwas wie eine mobile Klinik", erklärt sie. Täglich steuerte sie gemeinsam mit drei Ärzten verschiedene Dörfer des Landes an.


Nach der Registrierung auf einer „Health Card" wurden die bis zu 200 Patienten pro Tag zunächst von der Ärzten untersucht, um später die verordneten Medikamente von der Dorstenerin zu erhalten.


„Die Verständigung war schwierig. Viele Einwohner Haitis sprechen nur die Landessprache Creol, wir waren auf Übersetzer angewiesen", berichtet Anna Eschweiler.


Das Leid, das sie jeden Tag aufs Neue hautnah miterlebte, stimmt sie sehr nachdenklich. „Was hier häufig nur Kleinigkeiten sind, kann für die Menschen in solchen Ländern den Tod bedeuten", sagt sie. So hat die 27-jährige noch immer das Bild genau vor Augen, als zwei Männer eine Frau im Alter von Ende 20 auf einer Gartenliege zum Hilfsmobil trugen.

„Die Frau ist acht Monate vor unserem Einsatz von einem Auto angefahren worden, beide Oberschenkelknochen waren gebrochen, das Bein war stark entzündet. Sie saß also acht Monaten auf dieser Gartenliege, ohne sich zu bewegen. Zum Glück konnten wir sie in ein Krankenhaus bringen, in dem sie operiert wurde. Sie wäre sonst wohl gestorben."


Die „Apotheker ohne Grenzen" sind ehrenamtlich unterwegs und opfern für ihre Einsätze in akut hilfsbedürftigen Ländern zum Teil sogar ihren Urlaub, oder knüppeln, wie Anna Eschweiler, im Anschluss reichlich Überstunden. „Für solche Projekte muss man leben", erklärt sie. Geld bekommt sie für ihr Engagement nicht.


Ihr Aufenthalt in Mexiko hatte keine Gründe akuter Hilfsbedürftigkeit. Im bevölkerungsreichsten Staat Nordamerikas planen die „Apotheker ohne Grenzen", ein langfristiges Projekt. „Die indigene Bevölkerung des Landes ist gesundheitlich stark unterversorgt. Dort müssen wir was tun", sagt die Apothekerin.

 

 

Gemeinsam mit einer Kollegin führte sie daher in den vergangenen beiden Wochen Gespräche mit eventuellen lokalen Partnern und machte sich vor Ort ein genaues Bild, welche Art von Hilfe notwendig ist. Im Falle des Zustandekommens eines langfristigen Projektes, würde sie die Projektleitung in Mexiko durchaus reizen.


Das viel diskutierte Thema Schweinegrippe beeinflusste sie in ihrer Arbeit nicht. „Wir standen in ständigem Kontakt zur Organisation in Deutschland", erklärt Anna Eschweiler. Zudem sei ohnehin alles geschlossen gewesen, wo es hätte zu Menschenansammlungen kommen können. „Sogar die Restaurants haben nur Essen zum Mitnehmen ausgegeben", berichtet die 27-Jährige.


 
Verwandte Artikel